13.11.2015 Sandbostel Von: Aranka Szabó
Die Geschichte des jüdischen Mitbürgers Joseph Salomon

Entrechtet, gedemütigt, verarmt

Drangsaliert, gedemütigt und entrechtet - so verlief das Leben des jüdischen Bremervörders Joseph Salomon.

Dr. Klaus Volland berichtete darüber in einem Vortrag in der Gedenkstätte Sandbostel.

Viel zu klein war der Vortragsraum in der Gedenkstätte Sandbostel, anlässlich des Vortrags von Dr. Klaus Volland über die Geschichte der Familie Salomon in Engeo und Bremervörde. Groß war das Interesse, was mit dem Eigentümer des früheren „Alt Bremervörde" zur Nazizeit geschehen war.

Geboren wurde Joseph Salomon in Nieder Ochtenhausen. 1909 erwarb der 31-jährige Schlachter und Viehhändler das spätere Alt Bremervörde, verpachtete die darin befindliche Schlachterei und Gaststätte und wohnte in der oberen Etage. 1910 kaufte Salomon in Engeo ein größeres Heidegrundstück zwischen dem Oereler Kanal und dem Alten Kirchweg und baute ein Haus und Stallungen. 1913 heiratete er die aus Eisenach stammende Emma Dessauer. Das erste Kind kam knapp ein Jahr später zur Welt. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig als Soldat, wofür er 1935 in Bremervörde das „Ehrenkreuz für Frontkämpfer" erhielt.

Nur zwei Jahre später fingen die Repressalien und Repressionsmaßnahmen an. Ihm wurde die Mitgliedschaft in der Ein- und Verkaufsgenossenschaft gekündigt. Im September 1937 musste er sein Viehhandelsgewerbe abmelden und sich fortan auf seine Tätigkeit als Landwirt beschränken.

Im Rahmen des „Vierjahresplan" Hermann Görings von 1937 wurde es möglich bei Nichterbhöfen, zu denen die wenigen jüdischen Höfe gehörten, staatliche Eingriffe und Sanktionsmaßnahmen einzuleiten, wenn die Wirtschaftsführung eines landwirtschaftlichen Betriebes als mangelhaft betrachtet wurde. Im April 1938 veranlasste die Kreisbauernschaft eine unangekündigte Betriebsbesichtigung. Ergebnis: „Der gesamte Betrieb machte einen unbeschreiblich unsauberen Eindruck, die Wohn- und Wirtschaftsräume zeigten keine Spur von irgendwelchem Ordnungssinn." Auch das Vieh sei in einem jämmerlichen Zustand, hieß es. Salomon verteidigte sich später: „Ebenso kann ich beweisen, dass es an der Pflege meiner Pferde und meines Viehes nicht gefehlt hat. Ich habe ein altes Kriegspferd seit 1919, welches jetzt 25 Jahre alt ist, ... Wenn ich die Tiere vernachlässigt oder schlecht behandelt hätte, wären die Pferde wohl nicht mehr da." Salomon wurde unter anderem wegen angeblichen Sachwuchers verhaftet. Nach einer Haftbeschwerde kam er am 6. Mai wieder frei. Der Prozess lief weiter. Er durfte zwar vorerst weiter Viehhändler sein, doch kam der Betrieb am 12. Mai unter treuhänderischer Verwaltung. Dieser ordnete den Verkauf an. Der von Salomon ausgewählte Käufer wurde abgelehnt. Vielmehr musste er sein Grund für einen 18.000 Reichsmark (Wert: 65.000 RM) an die Hannoversche Siedlungsgesellschaft verkaufen. Relativ zeitgleich musste er an das Finanzamt 29.600 RM Judenvermögensabgabe und Reichsfluchtsteuer zahlen.

Nach der Reichspogromnacht erschien in der Tageszeitung folgender Absatz: „Auch im Kreise Bremervörde sind judenfeindliche Kundgebungen zu verzeichnen gewesen" Salomon wurde, wie andere Juden auch, verhaftet. Sein Prozess wegen Wucher wurde jedoch weiter vertagt. Es bestanden Zweifel an dem Gutachten der Kreisbauernschaft.

Auf seine Ankündigung, mit seiner Familie in die USA auszuwandern, „da ich in Kürze ganz verarmt bin", wurde der Prozess wegen Geringfügigkeit eingestellt. Die Gestapo Wesermünde bekundete ihr Interesse an einer beschleunigten Auswanderung. Am 31. Mai verließen er und seine Frau Bremervörde und fuhren mit dem Dampfer „Washington" in die USA. Seine Kinder waren schon zuvor dorthin ausgewandert. Am 3. Februar 1946 starb Joseph Salomon an einer Lungenentzündung. Seine Kinder sagten bei einem Besuch in Bremervörde 1980, an „gebrochenem Herzen".