10.10.2017 Osterholz-Scharmbeck Von: Eva Kairies
Offene Ateliers ließen Besucher in die Künstlerarbeitswelt blicken

„Ich weiß auch nicht, wie ich das mache“

Vor dem Besuch eines offenen Ateliers stand die große Frage, wen man besuchen möchte.

Vielleicht wollte man schon immer mal in das idyllisch anmutende Atelier in Westerbeck von Hans Jürgen Wormeck schauen oder die Reichelt’sche Kunst in Ritterhude sehen. Im Atelier F in Pennigbüttel konnte man gleich zehn Künstlerateliers besuchen, aber auch in Buschhausen bei Gaby Tausendpfund waren die Ateliers von drei Künstlern geöffnet.

Dazu hatte Tausendpfund einem Künstlerfreund aus Braunschweig Platz zur Verfügung gestellt, um den Gästen auch Kunst von über dem Tellerrand zu zeigen. Manfred Fischer ist im Tausendpfund’schen Atelier kein Unbekannter, denn hier gibt er zweimal im Jahr Workshops in Malerei: „Jedesmal ausgebucht mit Warteliste", ergänzt Tausendpfund. Er sei einer der ganz wenigen Künstler Deutschlands, die von ihrer Kunst leben könnten. „Das sind gerade mal vier bis fünf Prozent."

Nun saß Manfred Fischer an einem Tischchen und, erlauben Sie den Ausdruck, fruddelte aus geschmolzenen Kunststofffäden einen anmutig geformten Menschenkopf zusammen. Dabei wurde er mal von mehr, mal von weniger Besuchern beobachtet und ausgefragt.

Der Meisterschüler der Hochschule der Künste Berlin hatte Holzskulpturen und Gemälde mitgebracht, allesamt zeigten den menschlichen Kopf in einer erstaunlichen Vielfalt und dennoch geprägt von Fischers Handschrift: „Die Kunst mit erhobenem Zeigefinger machte mich nicht mehr zufrieden." Mit dem Nicht-mehr-wissen-Wollen, was das Bild sagen soll, vom Abbilden der Welt hatte sich Fischer immer mehr entfernt. Die Figuren hatte er immer weiter reduziert, bis er gespürt hatte, dass er, sobald sein Bild, sein Objekt eine Kopfform bekam, sich damit zu Hause fühlte. „Es ist immer noch unglaublich spannend", sagte Fischer über seine Arbeit. Seine Arbeiten sind nicht minder spannend. Unverkennbar Köpfe, doch deren Gesichtsausdruck, teils verdeckt von Farbspritzern oder unbearbeitet, spielte mit dem Verstand seiner Betrachter. Das menschliche Gehirn will verstehen und hatte mit der Kunst Fischers eine interessante Aufgabe. „Ich beginne eine Kommunikation mit dem Bild", versuchte Fischer seine Arbeitsweise zu erklären und verkürzte: „Ich weiß auch nicht, wie ich das mache."

Auch in sein Atelier in Braunschweig konnte man blicken. In einem Video zeigte Fischer die alte Industriehalle im Stadtgebiet Braunschweigs, das er sich mit einem Metallkünstler und einer Textilkünstlerin teilt. „Immer allein und mit sich selber kämpfen, das ist schwierig. Machen muss es jeder letztendlich selber, aber so kann man mal schnacken." Und das schätze Fischer auch am Unterrichten während der Workshops. „Ich finde, man muss alles erklären." Er möge das Fördern und beim Sehen helfen. „100 Prozent perfekt, nein. Steril - das will ich auf keinen Fall sein. Es ist nicht perfekt. Da